Menschen – Gefangene des Autos II

Hier entsteht eine kleine Sammlung von Zitaten, Beschreibungen und Erzählungen die ich in meinem Alltag aufgeschnappt, gehört und gesehen habe.
In loser Folge werde ich mich mit Sachen befassen, die nur Menschen tun und sagen, die ein Auto fahren und deren Leben auf seltsame Weise von ihrem Fahrzeug abhängt, obgleich sie immer behaupten würden, es böte ihnen unglaubliche Freiheit.

Ausgangspunkt ist heute ein sehr kruder Artikel, der mit der Einschränkung des Autoverkehrs, salopp zusammengefasst, den Untergang des Abendlandes vermutet:
Sachpolitik? Auto weg, Land abgehängt, Stadt unbezahlbar

Im wesentlichen vermutet der Autor das wegbrechen der Freizügigkeit, sobald Autoverkehr nicht mehr uneingeschränkt möglich wäre. Überzeichnet gesagt, müssten seiner Meinung nach dann alle um die Ecke ihres Arbeitgebers wohnen, was wohnen in der Stadt unbezahlbar und das Eigenheim im Speckgürtel unerreichbar mache.

Das alles zeichnet natürlich ein Szenario, als würde der komplette Autoverkehr morgen früh um 7.30 Uhr verboten.
Auch der Kommentator auf Twitter vermutet sofort:

Die individuelle Freiheit, sieht man hier eingeschränkt, weil man mit seinem Auto nicht mehr überall hinfahren darf. Das ist aber grober Unfug.

Das fängt schon damit an, dass man noch nie überall mit dem Auto hinfahren durfte: Forst- und Waldwege sind da ein einfaches Beispiel.
Ebenso schließt das Recht auf Freizügigkeit eben nicht die Möglichkeit ein, dass diese auch mit dem Auto zu erreichen sein muss, sondern sie ist uns als universelles Recht gegeben.
Welches Fortbewegungsmittel ich für meine Freizügigkeit nutzen kann, hängt also von meinen eigenen Möglichkeiten und dem mich umgebenden Rechtssystem ab.
Die individuelle Freiheit mitten in den Wald mit dem Auto zu fahren gibt das Rechtssystem nicht her, aber niemand verbietet mir z.B. dahin zu laufen. Das ein Autoverbot an bestimmten Stellen also die individuelle Freiheit des einzelnen einschränke ist eine sehr autobezogene Auffassung.

Vermutlich kommt sie aus dem empfinden der Automenschen, da sie ein Auto besitzen, müsse das Gemeinwesen für sie Parkplätze vorhalten. Kostenlos natürlich und zwar einen vor der Haustür, am Supermarkt und an der Arbeitsstelle. Das wurde ja tatsächlich auch gemacht , so dass man zu der Auffassung gelangen könnte, es wäre ein Recht.
Doch als Recht ist das nirgends definiert. Es  gibt auch kein Recht auf eine Straße.

Da ist wieder die Steuer-Legende!
Legende, weil sie darauf beruht, dass man damit sattsam Erhalt und Bau aller Straßen Deutschlands finanzieren würde und wir anderen, die Fußgänger und Radler, sich ja mal gebührend daran beteiligen könnten!

Das ist mehrfach falsch.
Das fängt schon damit an, das Steuern halt nicht zweckgebunden sind, sonst wären es Abgaben. Es geht weiter damit, das sie Einnahmen aus der KFZ-Steuer niedriger sind, als das , was jedes Jahr alleine die Instandhaltung von Straßen kostet. Alle anderen zahlen das Hobby der Automobilisten also längst mit.
Dazu kommt dann noch, das Infrastruktur schon vor der Existenz von Autos eine staatliche Aufgabe war, was bedeutet, dass die meisten Straßen in Städten schon existierten, sie also nur dem Verkehr angepasst wurden. Es waren früher einfach keine Autostraßen.

Alle haben ein Recht auf Infrastruktur und Autofahrer tragen noch nicht mal zur Instandhaltung ihrer Straßen genug Geld bei.

Der zweite grobe Fehler des Tweets ist, dass man ja nicht nur seit Generationen jedes Dorf mit dem Rad auf einer Straße oder einem Weg erreichen kann, sondern eben auch die Stadtmitte einer beliebigen Stadt. Es gäbe sie sogar gar nicht, wenn man sie nicht hätte erreichen können. Niemand MUSS ein Auto haben um  Berlin-Alexanderplatz zu erreichen!

Oje! Der Verbrauch von irgendwas kostet Steuern! Das gibt es auch bei Zigarretten, Tabak und am Ende als Mehrwertsteuer auf alles, was man kauft.
Wen sowas wurmt, muss weniger davon kaufen.

Ohnehin ist es das zweischneidige Gesicht von Autobesitzern: Sie haben gar kein Problem damit sich für, sagen wir einmal 50.000 €, das Traumauto zu finanzieren, aber sobald sie es benutzen, jammern sie über die Kreditraten, Steuern, und Benzinpreise. Als ob man das nicht vorher gewusst habe. Betont aber gleich, dass es ja ohne Auto gar nicht geht…

Ich hätte mir mein Fahrrad jedenfalls nicht gekauft oder mir ein anderes Modell ausgesucht, wenn mir die Kosten zu hoch erschienen wären.
Sollen wir Autofahrer jetzt für ihre Fehlentscheidungen jetzt bemitleiden?

Um den Bogen zum Artikel vom Anfang des Textes zu schlagen: Ohne ihre selbstaufgebürdeten Kosten durch das Auto, wäre ihnen die Miete in der Stadt-Wohnung womöglich nicht zu teuer und sie hätten vielleicht auch gar nicht den Wunsch aufs Land umzusiedeln “wegen des Lärms in der Stadt”…

TheFan1968

Datenbank- und Web-Fuzzi, Radfahrer, Eishockeyfan

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