Raus aus dem Mief!

Die Sonne scheint. angeblich will dann ja immer alles raus an die frische Luft und die Sonne genießen.

Und schon sind sie da, die Kampfradler, die auf den Bürgersteigen der Stadt und den Wanderwegen des Umlands alle aus dem Weg scheuchen, denn man ist ja Papa oder Mama und muss deshalb in voller Familienstärke die Wege bevölkern.
Auf der Straße ist es ja auch zu gefährlich, hat man ja oft auch schon auf dem Weg ins Ausflugsgebiet gesehen:
Immer diese Radler, die einen unnütz aufhalten und die man deshalb eben noch über durchgezogene Linien hinweg und mit viel zu wenig Abstand überholt hat.
Was die sich immer einbilden…!

Wenn dann das Ziel erreicht ist und die Räder von SUV geschnallt sind, wandelt sich mit dem Verkehrsmittel auch der Mensch:
Aus dem drängelnden und hupenden SUV-Fahrer wird der Radler, der die rote Ampel ignoriert und hemmungslos auch verkehrt herum in die Einbahnstraße fährt.
Der Autoschlüssel baumelt dabei noch klimpernd aus der Gesäßtasche.

So wird dann weitläufig der Parkplatz mit dem Rad umrundet, bevor man sich zum Kaffee oder im Biergarten niederlässt, um den sportlichen Erfolg zu genießen.
Besonders von den Cheatern unter den Wochenend-Radlern, die sich mit Elektro-Antrieb die eigene Fitness vorgaukeln und staunen, wenn unsereins dieselbe Anzahl an Kilometern völlig ohne Elektrovortrieb schafft.

Natürlich schnappen einige von euch jetzt gerade nach Luft, weil ich hier mal den Spiegel hoch halte und, wenn es auch vielleicht etwas überzogen klingen mag, etliche Volltreffer dabei unter Euch gelandet habe.

So sieht der Alltagsradler aber das plötzliche Getümmel an oft kaum benutzen Rädern um sich herum, wenn er bei schönem Wetter auch aufs Rad steigt.
Die Betonung liegt bei “auch”, denn der Alltagsradler steigt nicht wegen des Wetters aufs Rad, sondern weil er Radfahren will.

Unsere Gesellschaft ist bis in die Zehenspitzen von der Lobby-Arbeit der Autmobil-Industrie bestimmt, die es geschafft hat, dass insbesondere Autobesitzer sich andere Fortbewegungsarten nicht mehr vorstellen können und der Radler bei Nieselregen mitleidig belächelt wird:
<span style=”font-size: 1rem;”>”Der Arme fährt mit dem Rad! Bei dem Wetter!”, sagte der Autofahrer und hielt vor dem Fitnesscenter um dort zu Laufen oder Rad zu fahren.</span>

Dabei war es noch bei den Eltern oder, je nach eurem eigenen Alter, spätestens bei den Großeltern noch überhaupt nicht gang und gäbe mit dem Auto zu fahren (geschweige denn eins zu besitzen).
Man ging zu Fuß, nahm die Bahn, den Bus oder radelte um von A nach B zu kommen.

Meine Mutter erzählt noch heute immer wieder, wie sie nach dem Dienst dereinst von Schlachtensee nach Wilmersdorf zu Fuß ging, weil sie ja kein Auto hatte und die S-Bahn auf Dauer mit 25 Pfennig pro Fahrt auch zu teuer war.
Heute warten Jugendliche lieber 20 Minuten auf den Bus, der sie eine Station zurück bringt, weil sie das Aussteigen verpeilt haben, anstatt die 5 Minuten zu Fuß zu gehen.
Nein, Widerrede gilt hier nicht, schließlich haben alle ja auch noch eine komplette Navigationsausrüstung in Form des Smartphones dabei!

Kurzum: Was ich hier mit viel Ironie vortrage ist die Feststellung, dass wir unsere ach so bequemen Fortbewegungsmittel viel öfter mal nicht nutzen sollten, um wieder nach draußen zu gehen. Nicht nur am Wochenende, wenn die Sonne scheint…

TheFan1968

Datenbank- und Web-Fuzzi, Radfahrer, Eishockeyfan

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