Bunte Lampen leuchten Häuser an

Gleich zwei Veranstaltungen locken in Berlin Touristen an, in dem sie Bauwerke bunt anstrahlen oder ein paar leuchtende Objekte hinzufügen.
Und komischerweise finden das wahnsinnig viele Menschen “toll”, “schön” und “wunderbar”.

Auch unsereins ließ sich mal wieder davon anstecken und so zogen wir am letzten Samstag los um ein paar Bilder zu machen. D.h. meine Frau fotografiert und ich knipse nur und mache mich nützlich in dem ich das Stativ trage… muss sein, denn ein Praktikant ist nicht verfügbar. 😉

Drei Häuser am Potsdamer Platz mit Bildern dran.
Drei Häuser am Potsdamer Platz mit Bildern dran.

Allerdings waren wir am Ende des Abends dann nur noch genervt und froh dem unglaublichen Getümmel entkommen zu sein. Ohnehin ist es für einen Berliner irgendwie nur mäßig spannend jedes Jahr etwa den Berliner Dom in einem anderen Orient-Teppich-Muster angestrahlt zu sehen.
Ich weiß, das soll irgendwie Kunst sein und auf manchen Gebäuden laufen ganze Filme, deren künstlerischen Sinn die meisten Leute die sie betrachten gar nicht erfassen , weil der im “Oohhh” und “Aaahhh” irgendwie untergeht.

Ich, als geübter Kunstbanause, finde auch die Schöpfungshöhe des künstlerischen Gedankens da eher mäßig, denn auf die Idee Opas alten Super8-Film in Ermangelung einer Leinwand an die Zimmerwand zu projizieren, sind schon ganz andere Menschen gekommen.
Der Spaß geht einem zumindest am Samstag Abend in dem Getümmel von viel zu vielen Menschen unter, die ernsthaft glauben ihr Smartphone-Blitzlicht können den gesamten Fernsehturm bildtauglich ausleuchten. An ein vernünftiges Bild von den “Wächtern der Zeit” ist ohnehin nicht zu denken, ständig machen irgendwelche Touristen Selfies mit sich und der beleuchteten Plastikhülle.

Aus meiner Sicht kann diese “Eventeritis” um bunte Lampen auch gerne mal an andere Stelle stattfinden, also da wo es was zu sehen gibt. Also Hamburg oder Oer-Erkenschwick oder so.
Dann würde das Ganze wegen der verschiedenen Objekte auch wieder fotografisch interessanter. Wahrscheinlich habe ich aber nur mal wieder nicht begriffen, dass man nur in Berlin den Touristen dabei so tief in die Tasche greifen kann, dass sich der Kram auch lohnt.

Plastik-Papierschiffchen mit bunten Lampen im Piano-See
Plastik-Papierschiffchen mit bunten Lampen im Piano-See

Ich bin sogar erstaunt, wie jemand, der gerade noch mit seinem SUV versucht hat in dem Stau rund um den Dom noch einen Parkplatz zu bekommen, der nur 3 Meter vom Platz entfernt liegt, danach dann überhaupt noch einen Nerv dafür hat. Ein entspannter Ausflug war das am Ende eher nicht. Eher wie Pausenbetrieb auf der Herrentoilette der MB-Arena in der Drittelpause.

Am Ende sagen dann viele Leute bestimmt: “Toll und so viele Menschen aus allen Kulturen die da waren…”, und haben außer mit sich selbst und ihrem Smartphone mit niemanden dort geredet. Das ist ein irgendwie lustiges Phänomen der Neuzeit, dass sehr viele am liebsten nix mit anderen Menschen zu tun haben wollen und nach dem gemeinsamen Rumstehen vor einem bunten Haus dann so aus den Häuschen geraten und später auf dem Heimweg ihrer Begleitperson nach einem Blick in die Twitter-App (oder jedes andere “soziale” Netzwerk) erzählen: “Du, der @Dösbaddel war auch da, ist das nicht toll…”.

TheFan1968

Datenbank- und Web-Fuzzi, Radfahrer, Eishockeyfan

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