R. F. Kuang – Babel

von TheFan1968 | 2026-08-13 | Buch und Bücher | 0 Kommentare

Ein Buch, welches eine Welt konstruiert, die es so zumindest teilweise ja auch gab, und einen bekannten Mythos als Handlungstrang benutzt.

Lange Lesegeschichte

Das Buch hat bei mir eine recht lange Lesegeschichte, denn 2025 erlitt ich einen Herzstillstand und war so eine ganze Weile aus dem Leseprozess heraus. Im Krankenhaus hatte ich keinen Nerv dafür und auch in der anschließenden Reha war mir nicht wirklich nach Lesen.
So hatte ich etwa ein Drittel schon bis zum Herzstillstand gelesen und danach brauchte es mehrere Anläufe, bis ich dann wieder soweit interessiert war, es auch zu beenden.

Einer der Gründe dafür ist die auch in diesem Buch benutzte Umgebung einer Schule in der sich eine Gruppe Jugendlicher unter den strengen Regeln finden und behaupten muss, was derzeit so ungefähr in jedem zweiten Fantasy-Buch einer der sogenannten "Tropes" ist.
Das stößt mich eigentlich ab, was schon im ersten Drittel des Buches zu sehr langsamen Fortschritt geführt hat.

Lust auf Geschichte

Für dieses Buch braucht man aber unbedingt auch die Lust darauf sich mit Geschichte und ihren auch heute noch sichtbaren Folgen zu befassen, denn die Geschichte jener Jugendlichen führt uns eigentlich nur durch die Handlung und gibt dem Ganzen ein persönliches Gesicht mit dem man sich identifizieren kann.

Es geht ganz knallhart um Kolonialismus, der hier in seiner englischen Machart ganz klar beschrieben wird, mit allen rassistischen und wirtschaftlichen Folgen, die dieser für die davon betroffenen Völker mit sich bringt, wie unsere kleine Gruppe von Protagonisten zeigt.

Und natürlich ist es von Vorteil die Geschichte vom Turmbau zu Babel zu kennen, denn - genau genommen - sie wird hier erneut erzählt.

Magie

Es handelt sich dann aber auch um ein Fantasy-Buch, welches sich sicherlich unter Urban-Fantasy und/oder auch dem Steampunk-Genre zuordnen lässt.
Es spielt in einer uns durchaus bekannten, noch nicht zu weit in der Vergangenheit liegenden Welt und das Magie-System, welches auf Silberbarren mit eingewebten Übersetzungen basiert, die von der Kutsche bis zur Medizin alles antreiben, wenn man zu den Privilegierten gehört.

Fesselnd

Am Ende fesselt einen diese Buch aber dann doch:
Nach einem schleppenden Anfang, wie ich finde, treibt die Story zwischen Hochschuldrama und Revolution eine Weile hin und her, bis der Turm zu Babel am Ende dann natürlich einstürzt.
Ein durchaus lesenswertes Buch, wenn man mal alle Booktok-Tropes beiseite lässt und eine spannend verpackte Geschichte lesen will, warum weiße, europäische Männer heute und in der Vergangenheit die Welt komplett verbockt haben: Sie waren besonders erfolgreich darin.

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